Handbuch der Kunstgeschichte

Fachwerk im Handbuch der Kunstgeschichte

An dieser Stelle möchte ich, das was ich in alten Büchern oder sonstwo zum Fachwerk finde, zusammen tragen.



Aus dem Buch: Handbuch der Kunstgeschichte (Leipzig 1898)

Vielfarbiger Schmuck und insbesondere hohe, über das Dach hinausragende Giebel zeichnen die Häuser vornehmer Bürger in Pommern, Mecklenburg, in den Hansastädten aus. Immerhin bleibt auch im späteren Mittelalter das Fachwerkhaus der Haupttypus bürgerlicher Wohnungen. Auf steinerner Unterlage liegen die Schwellen, welche die durch Riegel und schräge Streben verbundenen und versteiften Ständer tragen. Die oberen Stockwerke werden in Deutschland gewöhnlich vorkragend errichtet, wohl aus konstruktiven Gründen, weil die herausragenden Balken dem ungleichen Setzen und dem Einbiegen der Zwischenbalken entgegenwirken, dann aber auch aus Anhänglichkeit an die allgemein verbreitete Bausitte, welche die oberen Bauteile gern vorspringen ließ. Die Füllungen der Wände, aus Lehm oder Backsteinen, boten sich dem farbigen Schmucke, die Balkenköpfe, Schutzbretter u. s. w. der plastischen Bearbeitung willig dar. So gewann das Fachwerkhaus die heitere zierliche Gestallt, welche das dürftige Material oft völlig vergessen läßt. Es blieb noch im siebzehnten Jahrhundert im Gebrauche, änderte bis dahin seine Grundform nicht wesentlich, nachdem im vierzehnten Jahrhundert die wichtige Neuerung, die Fassade mit dem spitzen Giebel (an Stelle des Walmdaches) abzuschließen, siegreich durchgedrungen war. 





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